Vorbereitung auf den Entwicklungsdienst

Bevor Fachkräfte im Entwicklungsdienst mit ihrer Arbeit bei den jeweiligen Dienstgebern starten, können sie sich drei bis fünf Monate lang in einer intensiven Phase der Personalentwicklung darauf vorbereiten. Das Seminar "Service to the World" ist im Portfolio immer mit dabei.

 

Das zweiwöchige Seminar möchte Fachkräften im Entwicklungs- und Zivilen Friedensdienst Einblick geben in die Internationale personelle Zusammenarbeit und die Rahmenbedingungen eines Arbeitsvertrages mit AGIAMONDO. Darüber hinaus ist die individuelle Situation der Teilnehmer*innen Thema mit den jeweiligen Anforderungen der Arbeitsstelle in der Partnerorganisation.

Infos zu den Grundlagen

Die zukünftigen Entwicklungshelfer*innen sollen darüber hinaus auch vertraut werden mit dem Selbstverständnis von AGIAMONDO als katholische Personalentsendeorganisation und den damit verbundenen Erwartungen der Arbeitgeber. Auch die gemeinsame Vision des Engagements, ein gutes Leben für alle mittels der sozial-ökologischen Transformation zu ermöglichen, wird diskutiert.

Esther Maina wird als Trainerin für Friedensarbeit nach Gulu/Uganda gehen und schildert die Anforderungen, die sie im Rahmen der Stelle sieht. Benjamin Kyeva und Eva Tempelmann hören zu (von links).
Chibundu Onyesoh (links) geht als ZFD-Fachkraft an die Catholic University of South Sudan (CUoSS) in Juba/Südsudan.
Flipchart und Pinwände, auf denen typische Verhaltensmuster, Erwartungen anderer und die Rollen, die man selbst ausfüllen möchte, thematisiert werden.
Die Diskussionen lösen auch Heiterkeit aus: Maria Gabriela Costa García, die als Beraterin für ökologische Friedensarbeit in Kakamega/Kenia arbeiten wird, Maria Sara Cipolat Mis, Ärztin für Innere Medizin, die in Ndanda/Tansania die Notfallambulanz eines Krankenhauses aufbaut, und Esther Maina (von links).
Trainerin Eva Tempelmann ermutigt die Seminarteilnehmer*innen über Erwartungen, Rollen, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten zu reflektieren und zu diskutieren.
Chibundu Onyesoh (Mitte) ist Sozialwissenschaftler und wird psychosoziale Begleitung (Traumaarbeit) für Studierende der Uni in Juba/Südsudan anbieten.
In der Mitte des Seminarraumes liegen Materialien bereit, um Ideen und Gedanken mit Worten oder Bildern festzuhalten.
Carolin Meier reist als ZFD-Juniorfachkraft zur Unterstützung der Friedensarbeit der Diözese Gulu in Uganda aus, neben ihr sitzen Maria Gabriela Costa García und Chibundu Onyesoh (von links).
Die ganze Gruppe steht bei ihren "Rollen". Manchmal reichen zwei Füße nicht, um alles abzudecken, was wichtig erscheint.
"Listener, Facilitator, Inquirirer, Advisor" ist auf den Karten vermerkt: "Zuhören, Ermöglichen, Fragenstellen, Beraten" sind neben anderen Tätigkeiten sicherlich das, was die meisten im neuen Job erwartet.

Im Fokus: Die individuelle Situation und Erwartungen an die eigene Rolle 

Im zweiten Teil des Seminars geht es um ganz praktische Fragen zum zukünftigen Arbeitsverhältnis. In welche Institution komme ich, was sind dort für Menschen, wofür engagieren sie sich? Ganz persönlich macht sich zunächst jede/r anhand des Stellenprofils bewusst, welche Erwartungen an sie/ihn als neue Kolleg*in existieren und in welchen Rollen er/sie möglicherweise von Kolleg*innen/Vorgesetzten gesehen wird. Manche Seminarteilnehmer*innen wissen aufgrund schon bestehender Kontakte mit den zukünftigen Vorgesetzten, was von ihnen konkret – über das Stellenprofil hinaus – erwartet wird.  Im nächsten Schritt gibt es Austausch mit den anderen Teilnehmenden. Durch das Gespräch finden sich oft Lösungen oder Unterstützung für eigene Bedenken und Fragen. Trainerin Eva Tempelmann unterstreicht, wie wichtig dieser Teil der Vorbereitung für die Teilnehmer*innen ist, weil sie sich erstmals über ihre individuelle Situation mit anderen beraten können und sehen, dass sie nicht allein sind mit ihrem Thema.

Interaktive Gruppenarbeit, Diskussionen, Rollenklärungen

Den kleinen Gesprächskreisen folgt der Austausch innerhalb der ganzen Gruppe. Die Erkenntnisse aus den Gesprächen über die verschiedenen Rollenerwartungen notieren die Teilnehmer*innen auf bunte Karten und legen sie auf dem Boden des Seminarraums aus. Nun kommt Bewegung in die Gruppe: einzelne Fachkräfte positionieren sich neben und über den Kärtchen, die Worte wie "Trainer", "Researcher" und "Psychological support" tragen. Warum die Entscheidung auf diese Rollen gefallen ist, erläutern sie der ganzen Gruppe. Das löst lebhafte Diskussionen aus. Es wird thematisiert, welche Aufgaben tatsächlich im Rahmen des Dienstvertrages vorgegeben sind und was eher Vermutungen oder Befürchtungen sind und wie man diesen begegnen könnte.

Reflexion und Handlungsstrategien

Eva Tempelmann unterstützt die Teilnehmer*innen darin, die Themen zu schärfen und zu reflektieren, indem sie nachfragt: "Wer sind die Akteur*innen, was sind ihre Interessen und Beziehungen untereinander und wo seht ihr euch in diesem Geflecht?".  Sie regt die Fachkräfte an, ihre Rolle und Verantwortlichkeit im neuen Job zu definieren und Handlungsstrategien zu entwickeln, um sich besser abgrenzen zu können. Das schafft Klarheit und schützt die zukünftigen Fachkräfte vor Überforderung.

29.05.2024

Text: Ursula Radermacher