AGIAMONDO auf dem Katholikentag

Wie personelle Zusammenarbeit friedliches Zusammenleben fördert, konnten die Besucherinnen vom 30. Mai bis 1. Juni am Katholikentags-Stand von AGIAMONDO in Erfurt erfahren. Bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Versöhnung nach Krieg und Gewalt brachte Dr. Friederike Repnik ihre Expertise zum Umgang mit gewaltbelasteter Vergangenheit ein.

 

Wie vielfältig und spannend personelle Zusammenarbeit ist und wie sie zu friedlichem Zusammenleben beiträgt, konnten die Besucherinnen vom 30. Mai bis 1. Juni am Katholikentags-Stand von AGIAMONDO in Erfurt erfahren. Es kam zu vielen Gesprächen über die Arbeit der Partnerorganisationen und der bei ihnen mitarbeitenden Fachkräfte. Verbindend war bei allen vorgestellten Projekten - sei es die Arbeit zum interreligiösen Dialog in Kenia, Menschenrechtsarbeit in Peru oder die Bearbeitung der gewaltvollen Vergangenheit in Kolumbien -  dass  Protagonistinnen aus dem Norden und Süden gemeinsam an Lösungen für anstehende Probleme arbeiten.

Beim Empfang von AGIAMONDO und vielen Begegnungen mit Katholikentagsbesucher*innen stand der Austausch miteinander im Mittelpunkt. Wir haben uns gefreut, dass wir uns mit vielen Personen verbunden fühlen durften, mit denen wir im katholischen Umfeld zusammenarbeiten, für die wir Fachkräfte vermitteln oder mit denen uns gemeinsame Anliegen und Themen verbinden. Für einen intensiven Austausch plädierte auch der Leiter des Kirchenreferats im BMZ, Guido Schmitz, und Referentin Iris Ahr im Gespräch mit Geschäftsführerin Dr. Claudia Lücking-Michel.

Mit der Frage, wie man mit Auswirkungen von Krieg und Gewalt umgeht, um echten Frieden zu schaffen, befassten sich die Teilnehmenden einer Podiumsdiskussion mit dem Titel "Versöhnung tut auch weh - Heilung und Konflikt nach Krieg und Gewalt“. Die erforderlichen Prozesse von Heilung und Versöhnung sind langwierig und konfliktreich und werden nicht selten durch romantische Vorstellungen von Versöhnung zusätzlich erschwert. Der Fokus der Diskussion lag auf dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Die Podiumsteilnehmerinnen setzten sich auf Grundlage ihrer unterschiedlichen Erfahrungen mit den Perspektiven auf Versöhnung nach Krieg und Gewalt auseinander.

 

Eröffnungsveranstaltung auf dem Domplatz in Erfurt.
Geschäftsführerin Dr. Claudia Lücking-Michel im Gespräch mit Guido Schultz, Abteilungsleiter im BMZ.
Dr. Friederike Repnik berichtet von den Erfahrungen im Umgang mit gewaltbelasteter Vergangenheit in Kolumbien, Sierra Leone und Liberia.
Im Gespräch mit Thomas Sternberg am AGIAMONDO-Stand.
Das AGIAMONDO-Standteam lädt zur Mitmachaktion ein.
Im Gespräch mit Anja Karliczek, Präsidentin des KDFB, und Christiane Fuchs-Pellmann, Geschäftsführerin des KDFB.

Grundlage für eine Versöhnung im aktuellen Konflikt sei nach einer Beendigung des Krieges die Aufarbeitung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Russland müsse mithilfe internationaler Gerichte zur Verantwortung gezogen werden, so die russische Friedensnobelpreisträgerin Irina Scherbakova, Gründungsmitglied der Menschenrechtsorganisation Memorial, die 2021 vom Obersten Gericht Russlands verboten worden war. Kriegsverbrechen müssten dokumentiert und aufgeklärt werden und Schuldige zur Verantwortung gezogen. Auf der menschlichen Basis bedeute das eine sehr tiefe Arbeit, angesichts dessen, in was sich die russische Gesellschaft in diesem Krieg verwandelt habe.

Friederike Repnik, Beraterin auf Zeit für AGIAMONDO zum Thema „Umgang mit gewaltbelasteter Vergangenheit“, berichtete aus ihrer Erfahrung mit Aufarbeitungsprozessen in Ländern wie Kolumbien, Südsudan und Sri Lanka. Gewalt sei immer konkret und kontextverbunden und der Umgang damit müsse immer an den konkreten Kontext zurückgebunden werden. Im Kontakt zu Akteuren in unterschiedlichen Ländern habe AGIAMONDO die Erfahrung gemacht, dass es ähnliche Erfahrungen im Umgang mit gewaltvoller Vergangenheit in verschiedenen Kontexten gäbe. Es sei hilfreich und heilend darüber in Kommunikation und Austausch zu kommen. So sei es wichtig, geschützte Räume zu schaffen für Gespräch und gegenseitige Ermutigung. Verletzungen könnten so visualisiert und relevante Fragen für den jeweiligen Kontext entwickelt werden. Es sei wichtig, die verstörenden Geschichte in gewaltvollen Kontexten wahrzunehmen. Gewalt präge Identitäten, Mentalitäten und Kommunikation. Sie wirke sich zerstörend auf Beziehungen aus, was es erschwere, Solidarität und tragfähige Beziehungen herzustellen. Es gelte, genau hinzuschauen: Was sind die konkreten Erfahrungen, wo sind Beziehungen verletzt und wie kann man Beziehungen und damit soziale Gemeinschaft stärken. 

06.06.2024

Text: Katharina Engels