Partnerschaft als Welt-Team gestalten

Irene Mukasa-Erben leitet seit April 2023 das Team Ziviler Friedensdienst von AGIAMONDO

Irene Mukasa-Erben, Leiterin des Teams Ziviler Friedensdienst (ZFD) bei AGIAMONDO, spricht im Interview über das neue ZFD-Konzept.

AGIAMONDO hat sein Konzept zur Umsetzung des Zivilen Friedensdienstes im Haus überarbeitet und neu aufgesetzt. Dieses wurde mit den Partnerorganisationen im Februar 2023 diskutiert.

Warum war es wichtig, ein neues Konzept zu erstellen? 

Irene Mukasa-Erben: In den vergangenen Jahren haben sich unsere Partnerorganisationen ebenso wie AGIAMONDO selbst stark weiterentwickelt. Der ZFD und die Landesprogramme sind gewachsen, neue Strukturen sind hinzugekommen und damit verbunden neue Erfahrungen, Teams, Perspektiven und Arbeitsweisen. Um diese zu integrieren und unsere Zusammenarbeit weiter zu fokussieren, haben wir ab 2022 mit den Partnern unser gemeinsames Konzept zum Zivilen Friedensdienst überarbeitet. Es reflektiert unsere Idee von Partnerschaft, wie wir sie jeden Tag leben – basierend auf Begegnung, Wertschätzung und dem Ziel, sozial und ökologisch positive Veränderungen zu bewirken. Und es begreift den ZFD als Welt-Team, in dem die AGIAMONDO-Geschäftsstelle in Köln sowie die Koordinator*innen und die Partnerorganisationen vor Ort stärker als zuvor konzeptionell zusammenarbeiten.

Wie sieht diese partnerschaftliche Zusammenarbeit genau aus?

Irene Mukasa-Erben: In unseren Partnerländern unterstützen Fachkräfte von AGIAMONDO lokale Organisationen in deren Projektarbeit zur Friedensförderung. Das Friedensengagement der Partnerorganisationen ist sehr unterschiedlich gelagert – Beispiele für Bereiche der Konfliktarbeit sind Mediation, Interreligiöser Dialog, Erinnerungsarbeit, Kommunikation und Advocacy, Jugend- und Bildungsarbeit, Land und Ressourcen. Der über die Projekte der Partner geleistete Beitrag zum Friedensprozess wird im Programm in einem gemeinsamen Projektantrag an das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zusammengeführt. Hierfür besprechen die Partner und die ZFD-Koordinator*innen in den Ländern, worauf sie in ihrer weiteren Arbeit Schwerpunkte setzen wollen, welche Ansätze und Themen im Programm die größte Relevanz haben und das Engagement der Partner sinnvoll abbilden. Dieser Dialogprozess, der sich dann auch in der individuellen Planung der jeweiligen Fachkraftprojekte fortsetzt, hat sich in der partnerschaftlichen Arbeitspraxis immer weiter geformt, gefestigt und bewährt. Deshalb haben wir ihn nun im Konzept verschriftlicht. Er gewährleistet, dass sich alle Beteiligten mit dem Projekt identifizieren und es mittragen können.

 

Im Februar 2023 wurde die überarbeitete Fassung des Konzeptionspapiers zu Struktur, Ansatz und Partnerverständnis der ZFD-Arbeit von AGIAMONDO in Bensberg mit Partnern und ZFD-Akteur*innen reflektiert.
Bevor Irene Mukasa-Erben (Mitte) die ZFD-Teamleitung übernahm, war sie als ZFD-Referentin in Köln sowie als ZFD-Fachkraft in Ostafrika tätig. Hier ist sie im Gespräch mit Noelia Crespo Calatayud, die Süd-Nord-Fachkraft für Klimagerechtigkeit und nachhaltigen Lebensstil im Bistum Hildesheim war.
Gruppenbild aller Teilnehmer*innen der Veranstaltung im Februar in Bensberg.
Auch beim Sommertreffen der zurückgekehrten Fachkräfte von AGIAMONDO im September 2023 war Irene Mukasa-Erben mit dabei.

Was ist AGIAMONDO in Bezug auf Partnerschaft besonders wichtig?

Irene Mukasa-Erben: Im neuen Konzept haben wir die Themen "Interreligiöser Dialog" und "Umgang mit gewaltbelasteter Vergangenheit" als Schwerpunkte für die Zusammenarbeit bestätigt. Entstanden sind sie aus den Notwendigkeiten, die die Partnerorganisationen in ihren Ländern für ihre Friedensarbeit sehen und daraus, dass wir als Träger des ZFD besonders auch in diesen Themenfeldern gut unterstützen können. Ganz grundsätzlich ist uns an einer langfristigen Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen gelegen, in der Beziehung und Vertrauen aufgebaut werden. Auch fördern wir, dass sich Partner untereinander stärker austauschen und miteinander vernetzen. Im Programm "Große Seen" zum Beispiel, kooperieren mittlerweile Partner aus drei Ländern zu vereinbarten Schwerpunkten, wodurch sie voneinander lernen und gemeinsam mehr Menschen erreichen können.

Wie waren die Partnerorganisationen in die Entwicklung des neuen Konzepts eingebunden und was war ihnen wichtig?

Irene Mukasa-Erben: Wir haben hier in Köln auf Grundlage der Erfahrungen der letzten Jahre in den einzelnen Programmen die Konzeption überarbeitet. Im Februar 2023 wurde dieses Dokument dann einer Gruppe von Partnern bei einem Workshop vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Die Rückmeldungen der Partner zeigten deutlich, dass sie sich wünschen, in Entscheidungsprozesse stärker einbezogen zu werden, ganz konkret zum Beispiel, bei der Vermittlung von Fachkräften in ihre Organisationen. In der Zusammenarbeit spielen Persönlichkeit und Haltung der Fachkraft eine sehr wichtige Rolle – für die meisten Partner sogar eine wichtigere als fachliches Wissen. Grundsätzlich wurde sehr geschätzt, dass wir die Fachkraftmitarbeit als einen Dienst für die Menschen und mit den Menschen verstehen. Kritik gab es daran, dass unsere Strukturen aktuell noch nicht immer abbilden, was wir uns konzeptionell vorstellen. Hier gibt es auf jeden Fall Potenzial, die Partner in ihrer Rolle als Expert*innen für die Herausforderungen und Möglichkeiten vor Ort noch stärker einzubinden. Ich habe diesen Prozess von der vorherigen Teamleiterin Ulrike Hanlon übernommen und sehe es als Chance, von diesem Ausgangspunkt das ZFD-Programm mit den Partnern und Fachkräften weiter zu gestalten.

Was sind jetzt die nächsten Schritte?

Irene Mukasa-Erben: Das Konzept wird zeitnah übersetzt und an alle Partner und Fachkräfte kommuniziert. Das Ganze ist dann eine Beschreibung dessen, was wir derzeit im ZFD von AGIAMONDO leben, was uns wichtig ist, und worauf wir aufbauen können, wenn wir neue Themen, Ideen und Strukturen entwickeln wollen. Des Weiteren wurden die Rückmeldungen der Partner und Fachkräfte aus dem Workshop dokumentiert und fließen in den weiteren Gestaltungsprozess unserer Umsetzung der ZFD-Programme aktiv ein.

Wie geht die Position des ZFD von AGIAMONDO als Friedensakteur mit dem Prinzip der Partnerschaftlichkeit zusammen?

Irene Mukasa-Erben: In unseren Programmländern ist AGIAMONDO nicht selbst Friedensakteur, sondern unterstützt die Partner vor Ort dabei, ihre eigenen Wege der Friedensförderung zu finden und zu gehen. Natürlich stehen wir dabei im Dialog mit ihnen und fördern auch Schwerpunkte. In Bezug auf den "Umgang mit gewaltbelasteter Vergangenheit" stärken wir zum Beispiel das Netzwerk der Organisationen, in dem sich mittlerweile Partner und Fachkräfte weltweit austauschen und voneinander lernen. In Deutschland werden wir selbst zum Akteur, indem wir die Anliegen unserer Partner aufnehmen, dafür eintreten, einen Rahmen und eine Förderung schaffen – dies tun wir im Rahmen des Konsortiums Ziviler Friedensdienst. Es gibt also viele Möglichkeiten, sich gemeinsam für Frieden und Partnerschaftlichkeit einzusetzen und Zusammenarbeit zu gestalten. 

03.01.2024

Text: Katharina Engels

Dieser Artikel stammt aus dem AGIAMONDO-Magazin "Contacts", Ausgabe 2/2023. Zum Download der Gesamtausgabe.