Gute Gespräche beim AGIAMONDO-Sommertreffen der ehemaligen Fachkräfte

Gruppenbild mit ehemaligen Fachkräften und ihren Familien sowie Mitarbeiter*innen von AGIAMONDO beim dritten Sommertreffen am 13. September in Köln.

AGIAMONDO vernetzt – Wie wollen wir leben? Fragen zu Rückkehr, interkultureller Öffnung, Friedensprozesse, Umgang mit Behörden und Projekte in Deutschland standen in diesem Jahr beim AGIAMONDO-Sommertreffen der ehemaligen Fachkräfte im Mittelpunkt. Seit drei Jahren findet es im September in Köln statt.

 

Ein Sommertreffen sollte es sein, ein Vorgeschmack auf den Herbst wurde es: mit Regen, Donnergrollen und kühler Luft im Garten der AGIAMONDO-Geschäftsstelle in Köln. Am 17. und 18. September trafen sich dort 25 ehemalige Fachkräfte und Partner*innen und 20 Kinder und Jugendliche, um sich auszutauschen und zu vernetzen.

"Erfahrungswissen ist unsere Kraft", sagte Kerstin Kude, Leiterin der AGIAMONDO-Personalentwicklung zur Begrüßung. Sie freue sich, das Sommertreffen zu einem festen Bestandteil des AGIAMONDO-Programms für Rückkehrer*innen zu machen und lud die Anwesenden ein, ihre Themen in das offen gestaltete Programm einzubringen.

Gleich zu Beginn ging es ins direkte Zwiegespräch – auch zwischen Kindern und Erwachsenen. Wer bist du? Warum bist du hier? In der darauffolgenden gegenseitigen Vorstellung stellten viele fest: Wir haben einiges gemeinsam. Namen, Orte, Wünsche.

 

AGIAMONDO-Schreibblock und Stift, bereitgehalten für kommende Gedanken.
Viele ehemalige Fachkräfte hatten ihre Kinder und Partner mitgebracht.
Nicola Maier, ehemalige Fachkraft, und AGIAMONDO-Referent Florian Schöpperle, zeichnen eine Weltkarte, auf der sich jede*r verorten und Gedanken oder Wünsche festhalten kann.
Die Kinder und Jugendlichen luden die Erwachsenen mit einem Lied des Sängers Keno ein, ihre Geschichten zu teilen. Aufhänger waren die Fragen: Wofür nimmst du dir Zeit? Tut es dir gut? Was hat dich wirklich bewegt?
Blick in den großen Saal: Wegen des kühlen und regnerischen Wetters musste das meiste drinnen stattfinden.

"Art of Hosting"

"Ich bin sehr neugierig auf die Menschen in diesem Raum", sagt Jürgen Abadia. Der Agrarwissenschaftler war über die Schweizer Organisation COMUNDO 15 Monate in Nicaragua und hat dort Kleinunternehmer*innen in ihrer Arbeit unterstützt. In seiner jetzigen Tätigkeit als Produktmanager bei einem deutschen Unternehmen beschäftige er sich vor allem mit wirtschaftlichen Themen und sei darum gespannt auf die Impulse, die das AGIAMONDO-Sommertreffen gebe.

Wie gelingt eine gute Rückkehr oder Ankunft in Deutschland? Was bedeutet Solidarität? Ist eine Work-Life-Balance möglich? Mit diesen Fragen gingen die Teilnehmer*innen am Nachmittag in Kleingruppen in den Austausch. Inspiration dazu gab die Idee des "Art of Hosting", des wertvollen Gesprächs, das auf radikalen Respekt und maximale Aufmerksamkeit der Teilnehmer*innen setzt. "Sprecht von Herzen und nehmt euch Zeit zum Zuhören", beschrieb Kerstin Kude das Format.

Räume öffnen

"Ich bin sehr dankbar für die Räume, die hier geöffnet werden", sagt Robert Afriyie, der an allen bisherigen AGIAMONDO-Sommertreffen teilgenommen hat. Der Austausch über Themen wie struktureller Rassismus oder die interkulturelle Öffnung von Behörden sei besonders für ausländische Partner*innen ein echtes Geschenk. Afriyie kommt aus Ghana und lebt seit fünf Jahren mit seiner Partnerin Judith Grave, die heute im ZFD-Programm von AGIAMONDO arbeitet, und Sohn Benjamin in Deutschland. "Ich entwickle mich bei jedem Vernetzungstreffen weiter", sagt er.   

Während draußen der Wind an den Bäumen rüttelt, sprechen Sibylle und Bertram Tasch in der Kaffeepause mit anderen Fachkräften über das Leben in Deutschland und anderswo. Das Paar aus Thüringen hat sieben Jahre in Sambia gearbeitet, sie als Kunstmentorin, er als Handwerksmeister. Seit einem halben Jahr sind sie zurück in Deutschland. "Ein ziemlicher Kulturschock", erinnert sich Sibylle Tasch, wenn sie an die ersten Monate nach der Rückkehr denkt: Viele pandemiebedingte Vorschriften, wenig Interesse der Umstehenden, dazu das winterliche Klima. „Umso mehr freuen wir uns hier auf den Austausch mit Gleichgesinnten und Inspiration zu Fragen wie: "Wie kann unser interkulturelles Erfahrungswissen in unsere Bildungsarbeit mit Jugendlichen einfließen?" Bertram Tasch wird ab kommendem Monat ein Berufsfortbildungswerk in Mühlhausen leiten, seine Partnerin beginnt eine Ausbildung zur Arbeit mit Geflüchteten.

Und: Action!

Während sich die Erwachsenen in kleinen Gesprächsrunden zu konkreten Anliegen berieten, beschäftigten sich die Kinder und Jugendlichen mit ans Herz gehenden Fragen: Was ist deine Geschichte? Was ist deine Superkraft? Sie zeichneten ihre persönlichen Superheld*innen, webten aus mitgebrachten Stoffen ihre eigene Geschichte und luden die Erwachsenen mit einem Lied des Sängers Keno am Ende ein, ihre Geschichten zu teilen: Wofür nimmst du dir Zeit? Tut es dir gut? Was hat dich wirklich bewegt?

So endete das Sommertreffen wie es begonnen hatte: Mit wertvollen Gesprächen zwischen zwei oder mehr Menschen, mit Begegnungen von vielen – Großen und Kleinen, gerade Zurückgekehrten und schon länger Angekommenen, aus Deutschland, Bosnien, Ghana oder Kolumbien. "Wann sehen wir uns wieder?", ruft der 6-Jährige Noah noch in den Raum. Spätestens zum Sommertreffen im nächsten Jahr. Für Familien wird es im Juni 2023 ein weiteres Vernetzungstreffen geben. Infos dazu folgen.

25.09.2022

Text: Eva Tempelmann