Was verbindet Religionen?

Die Teilnehmer*innen im Gebetsraum der islamischen Fakultät der Universität Sarajevo: Studierende der islamischen Fakultät, Matthias Eder, Amina Catic, Jennifer Recha, ZFD-Fachkraft Theresa Dreher, dahinter ihr Mann Mersudin Kasumovic, schräg hinter ihr Finja Hoppe, neben ihr Lucia Zugel, dahinter ZFD-Koordinator Tilo Krausse und seine Frau Anna, ZFD-Koordinatorin Uli Hanlon, ZFD-Koordinator Thomas Vanke, sowie Silas/Student, Father Rohan Silva/ZFD-Partner, Mahdi Rastifar (von links)

Eine Woche lang wurde Sarajevo mit der Summerschool zum Lernort für Frieden, Dialog und Versöhnung.

Bei der European Summer School on Interreligious Studies and Peacebuilding kamen Anfang September Studierende aus Bosnien-Herzegowina und Deutschland, Fachkräfte und Koordinatoren des Zivilen Friedensdienstes sowie ZFD-Partnerorganisationen von AGIAMONDO zusammen. In Begegnungen mit Vertreter*innen verschiedener Religionsgemeinschaften, Besuchen von Synagogen, Moscheen und Kirchen sowie persönlichen Gesprächen wurde erfahrbar, wie interreligiöser Dialog zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen kann. 
Die Summer School zeigte: Frieden entsteht nicht allein in politischen Prozessen, sondern vor allem dort, wo Menschen einander begegnen, zuhören und Verantwortung füreinander übernehmen. Gerade in Bosnien-Herzegowina wird sichtbar, wie Dialog, Erinnerung und Versöhnung Brücken zwischen unterschiedlichen Gemeinschaften schaffen können. 
Organisiert wurde die Summer School von Tilo Krausse, ZFD-Koordinator vor Ort, und dem Team rund um Marijana Rosan im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes von AGIAMONDO.

Brücke Mostar bei thematischen Stadtspaziergang
Vor der katholischen Fakultät Universität Sarajevo
Stadtführung in Sarajevo: Der Sebilj ist ein öffentlicher Brunnen in Form eines Kiosks in der Mitte des Baščaršija genannten Marktplatzes in der Altstadt von Sarajevo.
Kaffeeprobe bei Stadtführung in Sarajevo, von links: lokale Stadtführerin, Uli Hanlon, Silas, Thomas Vanke (ZFD Koordinator Sri Lanka, Father Rohan Silva (Partner Sri Lanka), Mahdi Rastifar (Iran)
Blick auf Kirchtürme und Minarette in Mostar bei einer thematischen Stadtführung
Synagoge Sarajevo: dort gab es einen Impuls vom Hazzan of the Jewish community – Igor Kožemjakin.
Vor einer orthodoxen Kirche in der Altstadt Sarajevo (Baščaršij) sind Uli Hanlon/ ZFD-Koordinatorin in Israel/Palästina, Tilo Krausse/ZFD-Koordinator in Bosnien-Herzegowina und Mahdi Rastifar aus dem Iran im Gespräch.

Sarajewos Besonderheit im Dialog der Religionen 

Die Zusammenarbeit der islamischen und katholisch theologischen Fakultäten der Universität Sarajevo sowie der orthodoxen theologischen Fakultät der Universität Ost-Sarajevo ist beispiellos. Sie ermöglicht Einblicke in die Besonderheiten des jüdischen, muslimischen, orthodoxen und katholischen Glaubens. Die darin enthaltenen Grundpfeiler des Friedens, der Versöhnung und der Vergebung sind die Basis für die Kooperation der Religionsgemeinschaften.

Sarajevo ist eine der wenigen Städte in Bosnien-Herzegowina, in denen eine Moschee, eine katholische sowie eine orthodoxe Kirche und eine Synagoge in 500 Meter Umkreis in der Altstadt (Baščaršija)benachbart sind. Diese vielfältige religiöse Landschaft hat sich nicht isoliert entwickelt, sondern ist im Dialog gewachsen. Diese Tradition des Dialogs wird mit der Sommerschule und dem Masterprogramm "Interreligiouses Studies and Peacebuilding" der Universität Sarajewo fortgeführt.

Mit der Summer School und dem Format "Study and Travel" soll das Programm weiter geöffnet langfristig stabilisiert werden: Menschen kommen nach Bosnien und Herzegowina, lernen gemeinsam mit Studierenden aus Bosnien, setzen sich mit der Geschichte des Landes auseinander, besuchen Orte des Leidens und lernen gesellschaftliche Konfliktlinien aus nächster Nähe kennen. Gleichzeitig stärken solche Formate die Sichtbarkeit des Programms und unterstützen die Idee, Sarajevo als wichtigen Ort für interreligiösen Dialog und Konfliktbearbeitung weiterzuentwickeln.

The neighbour is always the one that needs me.

Father Rohan, AGIAMONDO-Partnerorganisation in Sri Lanka

Gibt es Parallelen bei interreligiösen Erfahrungen in Sri Lanka und Bosnien-Herzegowina?

Beim Erfahrungsaustausch über Sri Lanka und Bosnien-Herzegowina wurde deutlich, dass interreligiöser Dialog und Friedensbildung keine abstrakte Idee ist, sondern eine Haltung im Alltag. Father Rohan ein Vertreter der Partnerorganisation Center for Society and Religion in Sri lanka lenkte mit seinem Zitat: "The neighbour is always the one that needs me." sehr einprägsam den Blick dahin, wo die wichtigen Schritte zu tun sind. Mit der oder dem Nachbar*in ist vor allem der Mensch gemeint, dem wir im Alltag begegnen und für den wir Verantwortung übernehmen können – gerade dann, wenn Unterschiede bestehen. Frieden beginnt oft nicht in Konferenzräumen oder politischen Vereinbarungen, sondern in Nachbarschaften, Gemeinden, Schulen und auf der Straße. Gerade in Gesellschaften, die von Krieg, Gewalt oder tiefen gesellschaftlichen Gräben geprägt wurden, erinnert uns Father Rohans Gedanke daran, dass Versöhnung immer mit dem Gegenüber beginnt.

Diesen Eindruck teilt auch Thomas Vanke, ZFD-Koordinator in Sri Lanka: "Für mich gehörten die Freundschaften, die über religiöse und kulturelle Grenzen hinweg entstanden sind, zu den wertvollsten Aspekten dieser Erfahrung. Diese Verbindungen erinnern uns daran, dass es beim Dialog nicht nur um den Austausch von Ideen geht. Es geht auch darum, Vertrauen aufzubauen, das es uns ermöglicht, schwierige Fragen ehrlich, respektvoll und als Mitmenschen anzugehen." 

18.09.2026

Text: Ole Hengelbrock/Bearbeitung Ursula Radermacher