Mit viel Berufserfahrung die Ausbildung von Jugendlichen fördern

Das neue Restaurant ist fast fertig. Hier werden die Jugendlichen bald praktisches Wissen für die Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe erlangen. Bei der Veranstaltung mit den Ujima-Kolleg*innen ist auch Anke Dewald mit dabei (2. von links, hintere Reihe).

Mit 52 Jahren packte Anke Dewald ihre Koffer und zog mit ihrem Mann nach Kisumu/Kenia. Die Betriebswirtin und Comundo-Fachkraft arbeitet dort seit einem Jahr bei der Ujima Foundation for Training and Development.

 

Spannung liegt in der Luft. Das Team und die Schüler*innen der Ujima Foundation laufen aufgeregt im Garten umher. Stühle werden herbeigetragen, Tische montiert und Torten darauf  abgestellt. Vor dem Eingang bauen Händler ihre Stände auf, ein mobiles Fotostudio rollt heran. Dann beginnt sie endlich: Die feierliche Zeugnisübergabe für die jungen Frauen und Männer, die ihre Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe abgeschlossen haben. Selbstbewusst und stolz stehen sie im Garten. Sie sind als Waisen in den umliegenden Slums aufgewachsen, heute haben fast alle ein festes Jobangebot in der Tasche.

Ausbildungen von jungen Menschen fördern

Anke Dewald ist nicht nur Betriebswirtin, sondern auch Heilpraktikerin. Und sie unterstützt junge Menschen bei ihrer beruflichen Bildung. Jetzt ist gerade die Hälfte ihrer zweijährigen Fachkraftzeit vergangen und sie stellt im Rückblick fest: Hier passt alles zusammen. Als Fachkraft für Hospitality Management Training, finanziert von Comundo, fördert sie die Ujima Foundation in der Weiterentwicklung und Akkreditierung der beruflichen Ausbildungsgänge. Sie entwickelt Lehrpläne, berät Ausbildungsbetriebe und plant Projekte, wie ein Gartenrestaurant mit Trainingsküche, das die Jugendlichen für ihre praktische Ausbildung nutzen können.

Kenia hat eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. Die Ujima Foundation for Training and Development fördert benachteiligte Jugendliche mit Berufsausbildungen. Die jungen Menschen werden acht Monate lang in einem Beruf ausgebildet und sozialpädagogisch unterstützt. Danach vermittelt Ujima sie an Arbeitgeber aus der Region. Zur Unterstützung des Programms betreibt Ujima eine eigene Lodge in Nakuru, deren Einnahmen direkt in die Finanzierung des Ausbildungsprogramms gehen.

Anke Dewald erlebt die Arbeit in der Ujima Foundation als sehr bereichernd. Viele ihrer Kolleg*innen sind von Beginn an dort, die Atmosphäre ist familiär. Sie schätze die Offenheit der Menschen in ihrem Arbeitsumfeld und fühle sich nach einem Jahr Mitarbeit gut eingebunden. "Es ist ein tägliches Lernen, voneinander und miteinander."

 

Für die Akkreditierung der Ausbildung im Hotel- und Gastrobereich brauchte die Ujima Foundation eine neue Küche. Comundo unterstützte die Einrichtung finanziell. Das Trainingsrestaurant wird nun für die Öffentlichkeit geöffnet und dient den Auszubildenden zum praktischen Lernen mit echtem Gästebetrieb.
Anke Dewald ist gerne mit dem Rad unterwegs. In Kisumu fällt sie damit auf. Am Wochenende macht sie Ausflüge, zum Beispiel nach Rusinga Island im Victoria See.
Die Mitarbeiter*innen der Ujima Foundation beim gemeinsamen Teambuildung
Die jungen Erwachsenen aus den umliegenden Townships haben ihre achtmonatige Ausbildung im Gast- und Tourismusgewerbe erfolgreich abgeschlossen. Nun erhalten sie bei der Graduationszeremonie ihre Zeugnisse und feiern den Schritt in die Berufstätigkeit. Die Ujima Foundation wurde 2004 gegründet und hat seitdem fast 4000 Jugendliche ausgebildet.
Bei der jährlichen Graduation Ceremony der Auszubildenden war Anke Dewald gerade erst seit zwei Wochen vor Ort. Mit einigen ersten Worten in Kiswahili hält sie hier eine kleine Rede. Die Betriebswirtin und Heilpraktikerin unterstützt die NGO drei Jahre lang bei der Weiterentwicklung ihrer Ausbildungsgänge.

Mit fünfzig einen beruflichen Neuanfang starten

Die Neugier auf andere Länder und Menschen begleitet Anke Dewald schon lange. Sie ist studierte Betriebswirtin und hat mehr als 20 Jahre im Tourismus und in der beruflichen Bildung gearbeitet. Während der Familienzeit entwickelte sie ihr zweites Standbein in der Gesundheitsbranche, betrieb eine Heilpraktikerpraxis in Schleswig-Holstein und arbeitete als Dozentin und Berufsschullehrerin. Als ihre jüngste Tochter Abitur machte, reiste Anke Dewald für sechs Wochen nach Burkina Faso und arbeitete dort als Praktikantin bei einer lokalen NGO. "Ich war fasziniert davon, wie mit wenig finanziellen Mitteln, aber hochmotivierten Mitarbeitenden ein gigantischer Output aus Krankenstation, Waisenhaus, Werkstatt und ökologischer Landwirtschaft möglich wurde", erinnert sich Anke Dewald. Zurück in Deutschland studierte sie nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit. Dann fand sie über Comundo ihre Traumstelle bei der Ujima Foundation.

Wertvollste Ressource: Lebenserfahrung und Resilienz

Für ihre Arbeit kann sie auf eine umfangreiche Berufserfahrung zurückgreifen. Ihre große Flexibilität und Gelassenheit stärken ihre Resilienz gegenüber Herausforderungen. "Mein Alter und meine Lebenserfahrung sind meine wertvollsten Ressourcen." Für die Akkreditierung eines neuen Ausbildungsganges müsse sie sich zum Beispiel umfassend mit bürokratischen Strukturen auseinandersetzen. Das erfordere viel Geduld. "Ich sehe das spielerisch", sagt Anke Dewald und lacht. Am Ende werde schon alles klappen. Mit ihrem Partner spricht sie oft über die Herausforderungen im Alltag: Die politischen Unruhen, die Umweltverschmutzung, die Gesundheit. Dass er sie bei diesem Einsatz begleite, sei eine große Unterstützung. "Perspektiven erweitern und Neues lernen – das ist in jedem Alter eine wertvolle Erfahrung."

10.01.2024

Text: Eva Tempelmann