Vier Jahre Bilanz: Kapazitäten in den Regionen
Zunächst ging es um die Auswertung der vier Arbeitsschwerpunkte des vergangenen Programms: sozio-ökologische Konflikte um Land und natürliche Ressourcen; Erinnerungsarbeit und psychosoziale Begleitung von Opfern des bewaffneten Konflikts; die Unterstützung von Wahrheits-, Gerechtigkeits- und Wiedergutmachungsprozessen im Rahmen des kolumbianischen Friedenssystems; sowie die Stärkung von Organisation und politischer Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden.
Konkrete Beispiele prägten den Austausch: die psychosoziale Begleitung in den "Centros Integrales de Escucha" (Integrale Zentren des Zuhörens), die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen und Umweltvergehen, die Begleitung von Frauen aus der Region Urabá durch die Ruta Pacífica de las Mujeres, die als Opfer sexualisierter Gewalt im bewaffneten Konflikt anerkannt sind und sich auf ihre Anhörungen vor der Sonderjustiz für den Frieden vorbereiten, sowie die Arbeit mit jugendlichen Kollektiven in städtischen und ländlichen Regionen.
Die Partnerorganisationen haben in den Regionen Kolumbiens starke Prozesse aufgebaut, doch es fehlt oft an staatlichen Stellen, die diese Arbeit aufgreifen und nachfolgend politische Veränderungen anstoßen — etwa indem sie Empfehlungen der Wahrheitskommission und anderer Institutionen des Friedenssystems umsetzen, Mechanismen zur Bürgerbeteiligung tatsächlich mit Leben füllen oder den Schutz sozialer Anführer*innen gewährleisten.
"Wir haben Programme, die nicht die große strukturelle Veränderung hervorbringen", berichtet Stefan Pleisnitzer, ZFD-Koordinator von AGIAMONDO in Kolumbien, „aber die für die Menschen, mit denen wir arbeiten, persönlich ganz wichtige Anknüpfungspunkte sind."
Neue Schwerpunkte für 2027–2030
An den folgenden beiden Tagen erarbeiteten die Teilnehmer*innen die inhaltlichen Schwerpunkte des neuen Länderprogramms. Dialogprozesse, die Umsetzung des Friedensabkommens, der Schutz von Land und Umwelt sowie die Arbeit mit jungen Menschen bleiben tragende Pfeiler. Deutlich stärker als bisher rücken zudem zwei Querschnittsthemen in den Vordergrund: die Arbeit an einer Kultur des Friedens — also die langfristige Veränderung von Einstellungen, Beziehungen und Alltagspraktiken, die Gewalt begünstigen — sowie die Arbeit gegen geschlechtsspezifische Gewalt, einschließlich der Arbeit mit Männern und Männlichkeitsbildern.
"Überraschend war für mich das große Gewicht, das der Friedenskultur hier zugefallen ist", erläutert Pleisnitzer, "das bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, und verschiebt die Akzente noch einmal deutlicher in diese Richtung."
Geduld und die Einsicht, dass Friedensprozesse nicht linear verlaufen, prägen die Arbeit des ZFD in Kolumbien. Die drei Tage in Bogotá haben bestätigt, worauf die Partnerorganisationen und AGIAMONDO in den kommenden vier Jahren weiter setzen wollen.
April 2026
Text: Bianca Bauer/Ursula Radermacher