Internationaler Tag der Menschenrechte - In Quibdó/ Kolumbien sind Menschenrechte durch illegale bewaffnete Gruppen bedroht

ZFD-Fachkraft Ramón Ginestet Menke

Der Tag der Menschenrechte am 10. Dezember erinnert an die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte", die am 10. Dezember 1948 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde. Aus diesem Anlass stellen wir ZFD-Fachkraft Ramón Ginestet Menke vor, der bei der Sozialpastoral Quibdó mitarbeitet, die sich für Menschenrechte in der Region Chocó/ Kolumbien engagiert. Der Historiker unterstützt die Partnerorganisation bei der gewaltfreien Bearbeitung von Land- und Umweltkonflikten.

Warum sind in der Region Chocó die Menschenrechte bedroht?

Illegale, bewaffnete Gruppen kontrollieren die Region Chocó und die Pazifikregion insgesamt. Das bedeutet, dass Menschen, die den illegalen Aktivitäten dieser Gruppen im Wege stehen, bedroht und im schlimmsten Falle gefoltert und umgebracht werden. Die illegalen Aktivitäten dieser Gruppen betreffen auf dem Land besonders den Kokaanbau und die Goldgewinnung. In den Städten geht es um die Erpressung von Schutzgeldern von Händlern sowie den Verkauf von Drogen.

Wie engagiert sich die Partnerorganisation in der Menschenrechtsarbeit?

Die Sozialpastoral Quibdó leistet rechtlichen Beistand, psychosoziale Begleitung und Begleitung zivilgesellschaftlicher Organisationen. Außerdem fördert sie den Austausch innerhalb der verschiedenen Ethnien, den Dialog zwischen den Ethnien und sie unterstützt Gespräche mit Dritten, vor allem mit den staatlichen Akteuren.

Teilnehmerin eines interkulturellen Treffens
Interkulturelles Treffen vertriebener Indigener, die am Stadtrand von Quibdó in 18 verschiedenen Gemeindschaften leben.
Mitglieder der indigenen Dorfgemeinschaft „Sabaleta“, die an der Fernstraße Quibdó – Medellín leben.

Welche Aufgaben nimmt die Sozialpastoral Quibdó darüber hinaus wahr?

Aufgrund der schwierigen Lebensbedingungen des Großteils der Bewohner dieser Region leistet die Sozialpastoral Quibdó Humanitäre Hilfe. Außerdem führt sie im Rahmen von Advocacy-Arbeit einen ständigen Dialog mit allen politischen Akteuren, um auf die Lebenssituation der Menschen im Chocó aufmerksam zu machen.

Welche Aktivitäten unterstützen Sie konkret in der Menschenrechtsarbeit?

Innerhalb meiner Partnerorganisation begleite ich das Team der Kommission für Leben, Gerechtigkeit und Frieden bei den intra- und inter-ethnischen Dialogprozessen im Einsatzgebiet der Fernstrasse Quibdó – Medellín. Dort tragen Afrokolombianer, Mestizen und die indigene Bevölkerung ihre nachbarschaftlichen Auseinandersetzungen teilweise gewaltsam aus. Diese intra- und interethnischen Konflikte sind eng mit der Frage nach Zugang, Kontrolle und Nutzung von Land verbunden. Staatlicherseits erhalten die Menschen dabei keine wirklich wirksame Unterstützung zur Lösung dieser Probleme. Zusätzlich verschärfen Umweltkonflikte, wie ein geplantes Wasserkraftprojekt, ein ländliches Elektrifizierungsprojekt, Landgrabbing für Vogelbeobachtungsprojekte und die Ausbeutung der einzigen Kupfermine Kolumbiens die Situation. Zusammen mit dem Team der Kommission begleite ich lokale Gemeinden und Opferverbände bei der gewaltfreien Bearbeitung dieser Themen und stärke sie bei der Einforderung ihrer Grund- und Menschenrechte. Außerdem unterstütze ich vertriebene, indigene Gemeinschaften bei ihren Rechten. Sie müssen unter menschenverachtenden Bedingungen in der Peripherie von Quibdó leben, weil sie aus ihren ursprünglichen Territorien vertrieben wurden. Aus Angst vor den bewaffneten Gruppen können sie nicht mehr dorthin zurückkehren.

 

Interview: Ursula Radermacher

08.12.2020