Solidarität leben

Der Weg zu einer friedvollen Gemeinschaft beginnt bei uns selbst, davon ist Christiane Heinsdorff überzeugt. Wie man dieses Bewusstsein lebt und ein solidarisches Miteinander fördert, vermittelt die AGIAMONDO-Fachkraft Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Erzdiözese Onitsha in Nigeria. Dort beteiligt sie sich unter anderem an der Frie-denserziehung junger Frauen, die lernen, wie sie sich für friedliche Konfliktlösung in ihrem Umfeld einsetzen können.

Dass Glaube uns nicht spaltet, sondern als Menschen verbindet, ist für Christiane Heinsdorff eines der wichtigsten Themen, die sie durch den Tag begleiten. Gleich morgens, wenn sie mit ihren afrikanischen und europäischen Kolleginnen die Frühmesse besucht, wird diese Gemeinsamkeit für sie erlebbar. „Doch Glaube und Verbundenheit definieren sich nicht nur im religiösen Sinn“, sagt sie.

In den Seminaren und Bildungsprogrammen zu Friedenserziehung, die die gebürtige Münchnerin am Fokolare-Begegnungszentrum in Onitsha, Nigeria plant und begleitet, möchte sie vor allem vermitteln: „Glauben bedeutet auch Gewissen, Liebe, Erkenntnis – Fähigkeiten, die alle Menschen besitzen. Wenn uns das klar wird, können wir Unterschiede als Geschenk wahrnehmen und nicht als Bedrohung.“

Schülerinnen des Friedensprojekts bei einem Wochenend-Seminar in Onitsha
Schülerinnen mit Christiane Heinsdorff während eines Wochenend-Seminars
Bei der Tanzveranstaltung “beyond all borders” der Fokolarbewegung trafen sich Jugendliche aus ganz Nigeria in Abuja.
Christiane Heinsdorff auf einem Familienfest.
Christiane Heinsdorff im Garten des Fokolare Begegnungszentrums

Wissenswert

Gegründet wurde die Fokolarbewegung 1943 in Trient von der Katholikin Chiara Lubich. Heute hat sie weltweit ca. 2.000.000 Mitglieder, zu denen Menschen ohne religiöses Bekenntnis, sowie Angehörige des Christentums, Judentums, Islams, Buddhismus und Hinduismus gehören. Die Fokolarbewegung ist in 182 Ländern aktiv.

Leben für den Frieden

Es sind jene Motive der Geschwisterlichkeit, des Respekts und der Toleranz, die zu den zentralen Werten der christlichen Fokolarbewegung zählen, der Christiane Heinsdorff seit Langem angehört und in deren Dienst sie ihr Leben und Wirken gestellt hat. Nach ihrer langjährigen Lehrtätigkeit am internationalen Bildungszentrum der Fokolare in Rom kam die gelernte Grafik-Designerin vor fünf Jahren nach Onitsha, wo sie zusammen mit afrikanischen und europäischen Kolleginnen im Begegnungszentrum der Gemeinschaft lebt und arbeitet. Dort engagieren sie sich im Rahmen eines Friedensprojekts, das von der Erzdiözese gefördert und von der Fokolar-Bewegung e. V. mitfinanziert wird, für die Friedenserziehung Jugendlicher und junger Erwachsener.

Friedenserziehung für junge Frauen

Nigeria ist ein Land, in dem es aus unterschiedlichen Gründen immer wieder zu gewaltsamen Konflikten kommt. Vor allem Frauen und Mädchen leiden darunter. Ein Schwerpunkt des Friedensprojekts ist daher die Förderung junger Frauen unterschiedlicher Ethnien und ihre Ausbildung zu Friedensstifterinnen. Sie erwerben Fähigkeiten zu gewaltfreier Konfliktlösung, machen gemeinsame Erfahrungen und werden bei ihrer Entwicklung zu selbstbewussten, starken Persönlichkeiten unterstützt.

Christiane Heinsdorff und ihre Kolleginnen helfen ihnen, ihre Talente zu entdecken, schulen ihre Selbstwahrnehmung und unterrichten sie in Geschichte, Englisch, Tanz oder Malerei. Gerade die künstlerischen Ausdrucksformen sind Heinsdorff, die in Rom auch Malerei studiert hat, sehr wichtig. „Weniger mit Worten und mehr mit Tanz und Musik drückt man hier Gefühle und Werte aus“, erklärt sie. Durch den Austausch lernten die Mädchen, sich gegenseitig zu bereichern, und als Freundinnen zu unterstützen.

Wenn aus Schülerinnen Protagonistinnen werden

Jenes Gefühl solidarischer Verantwortung sei fundamental für den Kerngedanken des Projekts, nämlich ein Netzwerk aufzubauen, das Jugendliche und junge Erwachsene in Nigeria dazu ermuntert, sich selbständig und kreativ für Frieden einzusetzen. Um das zu fördern, leiten Christiane Heinsdorff und ihre Kolleginnen auch Wochenend-Seminare für andere Interessierte oder schulen Organisationen in Methoden der Friedenserziehung.

Als Mentorin möchte Christiane Heinsdorff Lehrerin, aber vor allem Freundin sein. Daher verbringt sie auch privat Zeit mit den jungen Frauen, die direkt neben dem Begegnungszentrum wohnen, geht mit ihnen auf den Markt oder zu Familienfesten. Letztlich gehe es ihr darum, dass aus den Schülerinnen irgendwann selbst Protagonistinnen werden, die ihre Nächsten als Geschenk erleben und dieses Bewusstsein auch an andere weitergeben.

Text: Eva Helm