Schwerpunkt ZFD-Uganda - Radiotalkshows helfen mit Gewalt und Angst umzugehen

ZFD-Fachkraft Irene Mukasa-Erben ist zurzeit im Homeoffice in Deutschland

ZFD-Fachkraft Irene Mukasa-Erben unterstützt ihre Partnerorganisation Advance Afrika in Gulu/ Region Acholi bei der Planung und Durchführung von Aktivitäten für ein friedliches Zusammenleben. Die NGO engagiert sich für junge Erwachsene in Gefängnissen im Norden Ugandas. Die Mitarbeiter*innen setzen sich aktiv dafür ein, dass Menschen deren Leben durch gewaltsame Konflikte aus den Bahnen gerieten, wieder neuen Mut schöpfen. Irene Mukasa-Erben ist Sozialarbeiterin mit einem Master in Friedens- und Konfliktforschung und lebt seit 2016 in Uganda. Auf Grund der Pandemie arbeitet Frau Mukasa-Erben zurzeit vorübergehend im Homeoffice in Deutschland. Im Interview schildert sie, wie die Arbeit bei ihrer Partnerorganisation auch trotz der Pandemie weitergeht.

Wie ist die Situation durch COVID-19 in Gulu bzw. Norduganda?

In der Region Acholi im Norden Ugandas sind die Erinnerungen an den LRA-Krieg und die Ebola Pandemie noch frisch. Viele Menschen leben mit traumatischen Erinnerungen und Jugendliche sehen wenig Zukunftsperspektiven. Als über aktive Handelsrouten mit dem Südsudan und anderen Teilen Ugandas die ersten Fälle von COVID in Gulu ankamen, war die Angst vor einer Ansteckung zunächst groß. Mit dem nationalen Lockdown wandelte sich diese Sorge in Angst, jegliche Einkommensquellen zu verlieren und damit keinerlei Lebensperspektive mehr zu haben. Wut und Aggressionen gegenüber den vermeintlichen Verursachern entstanden.

Austausch mit Kolleg*innen von Advance Afrika
Irene Mukasa-Erben unterwegs mit Kolleg*innen
Sharon Alobo im Radiotalk über Gewalt mit einem Polizisten
ZFD-Fachkraft Irene Mukasa-Erben im Homeoffice
Das Poster zum Umgang mit Stress und Angst wurde in Gesundheitszentren, Gemeindeverwaltungen oder Gefängnissen verteilt.
Sharon Alobo, Kollegin von Irene Mukasa-Erben, diskutiert über Probleme durch Corona.

Wie haben Sie und die Kolleg*innen von Advance Afrika auf die Pandemie reagiert?

Als alle Büros schließen mussten, sichere Fortbewegungsmittel nicht mehr zur Verfügung standen und der Zugang zu den Gefängnissen gesperrt wurde, musste sich das Team von Advance Afrika zunächst einmal besinnen. Gemeinsam überlegten wir, was jetzt wichtig wäre. Viele Organisationen in Gulu sendeten direkt über das lokale Radio zu Themen wie Corona und häuslicher Gewalt. Meine Kolleg*innen Sharon Alobo und Stephen Ocaya trafen sich zunächst mit verschiedenen Regierungs- und Gemeindevertretern. Zusätzlich erfuhren wir über Telefonate mit Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen, was in der aktuellen Situation hilfreich sein könnte.

Mit welchen Projekten unterstützt Advance Afrika die Bevölkerung?

Wir organisierten Radiotalkshows zum Umgang mit Gewalt und Angst.Beispielsweise diskutierten Vertreter der Polizei, der Gefängnisse und der Zivilgesellschaft über Gewalt in den Dörfern, die Situation von Gefängnisinsassen und den Zugang zu Rechtsprechung trotz des Lockdowns. Meine Kolleg*innen und ich entwarfen Poster mit Illustrationen, die die Menschen dazu ermutigen sollen, ihre eigenen Bewältigungsstrategien im Umgang mit Stress und Angst zu nutzen und zu verstärken. Das können zum Beispiel der persönliche Austausch, gemeinsames Beten oder anderes sein. Die Poster sollen in Anlaufstellen wie Gesundheitszentren, Gemeindeverwaltungen oder im Gefängnis verteilt werden. Im Team entwickelten wir neue Projekte und Aktivitäten für die aktuellen Bedürfnisse, wie zum Beispiel Fortbildungsangebote für Ehrenamtliche, die sich in ihren Dörfern für einen konstruktiven Umgang mit Konflikten einsetzen. Diese sollen in Zusammenarbeit mit dem Justice and Peace Desk der Diözese in Gulu weiter ausgebaut werden. Die Kommunikation zwischen dem Team und mir findet über Telefon und Internet statt.

Interview: Ursula Radermacher

12.08.2020