Pilot: Blended Learning-Angebot "Learning Journey"

Zeegi Batsukh war verantwortlich für den "Learning Journey"-Piloten.

Von Ende April bis Mitte Juni 2022 hat AGIAMONDO als Pilot eine "Learning Journey" durchgeführt. Was es mit dem Angebot auf sich hat, verrät Zeegi Batsukh, bei AGIAMONDO verantwortlich für die Planung und Durchführung der "Learning Journey".

Die "Learning Journey" ist ein Pilot bei AGIAMONDO. Was ist der Inhalt und warum wurde dieses Format bei AGIAMONDO ausprobiert?

Zeegi Batsukh: Die "Learning Journey" ist ein Blended Learning-Angebot, d.h. hier verbinden wir Präsenz- und E-Learning miteinander. Das Angebot richtet sich an AGIAMONDO-Fachkräfte und deren direkte Kolleg*innen aus den AGIAMONDO-Partnerorganisationen und soll deren Zusammenarbeit fördern. Inhalt der Learning Journey war das Thema "Kulturbewusst im Dialog", das in drei Terminen – zwei zweitägig, einer eintägig – zunächst in Live-Online-Sessions bearbeitet wurde. Diese Termine zu den Themen "Intercultural Communication", "Power Asymmetries" und "Biographical Perspective" wurden von Trainer*innen und AGIAMONDO-Mitarbeiter*innen der Personalentwicklung geleitet und waren die Vorbereitung für den fünftätigen "International Workshop", bei dem die Teilnehmer*innen dann in Nairobi, Kenia, zusammenkamen, um "live" zusammen das Thema weiter zu bearbeiten. Dieses Format haben wir eingeführt, weil wir zeit- und ortsunabhängig und flexibler mit Kolleg*innen aus Partnerorganisationen arbeiten wollten. Bei den Online-Sessions haben wir den Teilnehmer*innen zwei Gruppen angeboten, um unterschiedliche Wissensstände zu berücksichtigen: Eine für diejenigen, die bereits das Seminar zu "Kulturbewusst im Dialog" bei AGIAMONDO besucht hatten und damit Vorwissen hatten, und eine für diejenigen, die mit dem Thema noch nicht in Berührung gekommen waren.

Zusätzlich zu den aus dem AGIAMONDO-Seminar "Kulturbewusst im Dialog" bekannten Modulen zu "Intercultural Communication" und "Power Asymmetries" habt ihr in der Learning Journey auch die "Biographical Perspective" bearbeitet. Worum geht es bei diesem Thema und warum ist dieses relevant für den interkulturellen Dialog?

Zeegi Batsukh: Im Modul zur Biografiearbeit ging es vor allem um die Frage: "Glauben Sie, dass Ihre biografische Perspektive die täglichen Abläufe in Ihren (internationalen) Arbeitskontexten beeinflusst?". Man setzt sich mit den eigenen Wurzeln und seiner Persönlichkeit auseinander und damit, wie diese im Arbeitsalltag und im Austausch mit den Kolleg*innen relevant sind – insbesondere eben in dem interkulturellen Kontext, in dem sich die AGIAMONDO-Fachkräfte und ihre Kolleg*innen in ihrer täglichen Arbeit befinden. Bei der Live-Online-Session sollten die Teilnehmer*innen ihre zehn wichtigsten Karrierepunkte aufschreiben und diese dann in kleinen Gruppen diskutieren: "Wie bin ich überhaupt dazu gekommen, dass ich diese Stelle angenommen habe? Und wer hat mir dabei geholfen? Und welche Machtverhältnisse haben da evlt. Einfluss genommen?". Viele haben dabei festgestellt: Jede*r ist in seiner/ihrer Biografie einzigartig und etwas Besonderes. Und wenn wir jede und jeden als besonders betrachten, dann sind wir auf Augenhöhe. Das war an einigen Stellen sehr emotional.

Welche Bilanz ziehst du nach dieser AGIAMONDO-Learning Journey?

Zeegi Batsukh: Das Angebot wurde sehr gut angenommen und wir haben bei der Follow-Up-Session viele begeisterte Rückmeldungen bekommen. Die Kommunikation zwischen den Teilnehmenden ist viel einfacher, wenn man sich schon vorher gesehen hat, diskutiert hat und gemeinsam in kleinen Gruppen gearbeitet hat. Die Präsenzphase war dann ein echtes Highlight. Fast so, als ob man Freunde treffen würde. Auch inhaltlich hat das Konzept sehr gut funktioniert. Wir hatten dadurch viel mehr Zeit, uns mit dem Thema auseinander zu setzen und langsam einzusteigen. Das Thema "Kulturbewusst im Dialog" dreht sich immer auch um Rassismus und Machtasymmetrien. Das sind keine einfachen Themen, teilweise wird die Diskussion da sehr emotional. Da war es sehr gut, dass wir uns mehr Zeit nehmen konnten. Insgesamt wollten wir mit der Learning Journey erreichen, Dialoge anzuregen und offene Räume für Diskussionen zu schaffen. Ich glaube, das haben wir erreicht.

06.07.2022

Interview: Theresa Huth