Online präsent - Um Fachkräften trotz Corona-Kontaktsperre weiterhin Fortbildungen anzubieten, stellte AGIAMONDO im März 2020 fast alle Seminare auf E-Learning um

Kerstin Kude, Leiterin des Teams Personalentwicklung (Mitte), ihre Kollegin Julia Lemke und Trainer Björn Eser planen E-Learning-Formate.

Ist ein Seminar, dessen Lernziele vor allem durch Interaktion und persönliche Begegnung erreicht werden, auch online durchführbar? Ja, würden Kerstin Kude, Teamleiterin der Personalentwicklung bei AGIAMONDO, und ihre Kollegin, Julia Lemke, heute sagen. Die Corona-Krise war der Praxistest – von heute auf morgen musste fast das gesamte AGIAMONDO-Seminarprogramm auf E-Learning-Formate umgestellt werden. Wie das funktioniert hat, und welche Perspektiven sich dadurch ergeben haben, erzählen die Kolleginnen im Interview.

Was bedeutete die Kontaktsperre zur Eindämmung von COVID-19 für die Personalentwicklung bei AGIAMONDO?

Kerstin Kude: Eine der wesentlichen Aufgaben unseres Teams ist es, Seminare zu entwickeln und durchzuführen, die Fachkräfte angemessen auf ihre bevorstehende Lebenssituation und Arbeit vorbereiten. Die Seminare stellen Lernräume zur Verfügung und regen wichtige Lernprozesse an, die Fachkräfte befähigen, ihre Arbeit wirksam leisten zu können und auch unter schwierigen Rahmenbedingungen mental, seelisch und physisch gesund zu bleiben. Diese wichtigen Formen der Vorbereitung wollten wir unbedingt aufrechterhalten. Als AGIAMONDO entschied, trotz der weltweiten Einschränkungen zur Unterstützung unserer Partner weiterhin Fachkräfte zu entsenden, haben wir sofort überlegt: Wie schaffen wir es und was genau brauchen wir, um die Veranstaltungen online zu organisieren?

Wie sind Sie dann vorgegangen?

Für unsere Präsenz-Seminare arbeiten wir mit sehr engagierten, international erfahrenen freiberuflichen Trainer*innen zusammen. Die methodisch-didaktische Umstellung auf Online-Formate konnte mit ihnen für alle Seminare mutig und kreativ umgesetzt werden. Die Trainer*innen sind flexibel und methodisch außerordentlich versiert. Innerhalb kürzester Zeit lagen uns entsprechende Konzepte vor, die wir nur noch in wenigen Details abstimmen mussten. Für Fragen rund um die technische Umsetzung beauftragten wir zwei externe, E-Learning erfahrene Freiberufler*innen, die uns im Entwicklungsprozess beratend zur Seite standen. Mit ihnen konnten die Trainer*innen auch Übungsstunden vereinbaren, um Methoden online zu erproben. Insgesamt hat unser Team diese neue Situation mit sehr viel Engagement und Kreativität angenommen und gestaltet. So war es möglich, bereits eine Woche nach dem Erlass der Kontaktsperre das erste Online-Seminar anzubieten.

Welche Herausforderungen gab es bei der Umstellung?

Julia Lemke: Anfangs mussten wir viele Arbeitsprozesse umplanen und die Organisation der Seminare an die veränderten Bedingungen anpassen. Das war aufwendig, aber auch spannend. Während beispielsweise bei Präsenzveranstaltungen alle Teilnehmenden zur selben Uhrzeit im selben Raum sind, konnten wir nun Fachkräfte auf unterschiedlichen Kontinenten in unterschiedlichen Zeitzonen zusammenbringen. Da kann ein Seminar nicht einfach um neun Uhr Ortszeit beginnen, sondern individuelle Lösungen sind zu finden. Auch für die Trainer*innen bedeutete das eine andere Koordinationsarbeit. Deshalb war es auch wichtig, die Seminar-Anmeldungen möglichst früh abzuschließen, um genügend Vorlauf für die individuelle Planung zu haben.

Trainerin Katharina Bosl von Papp war an der Entwicklung von E-Learning-Formaten beteiligt.
Gedruckt oder online - Das aktuelle Seminarprogramm von AGIAMONDO
Trainer Björn Eser unterstützte die Entwicklung von kreativen und anregenden Onlineseminaren.
Kerstin Kude, Leiterin des Teams Personalentwicklung (Mitte), ihre Kollegin Julia Lemke und Trainer Björn Eser planen E-Learning-Formate.

Wie liefen die Online-Seminare ab?

Kerstin Kude: Wir haben ja viele Themen, die wir anbieten – von Sicherheitstrainings über Methoden-Workshops bis hin zu Reflexionsangeboten, die die eigene Haltung und Berufsprofile im Fokus haben. Die meisten Themen werden über mehrere Tage bearbeitet. Das haben wir online so beibehalten, allerdings mit verkürzter Sitzungsdauer, damit es vor dem Bildschirm nicht zu anstrengend wird. Stattdessen haben die Trainer*innen mehr Einzel-Reflexions- oder Kleingruppenarbeiten durchgeführt, die von den Teilnehmer*innen zeitlich flexibel umgesetzt werden konnten. Technisch hatten wir glücklicherweise – auch dank der guten Vorbereitung durch unsere EDV – wenig Störungen. Zum Teil war es sogar vorteilhaft für die Fachkräfte, ihre Themen konzentriert und fokussiert in der Ruhe der Unterkunft oder des eigenen Zuhauses reflektieren zu können. Für den persönlichen Austausch in den Pausen haben sich dann zusätzlich einige online verabredet und im Chat getroffen.

Wie haben die Teilnehmer*innen die Online-Seminare angenommen?

Julia Lemke: In den meisten Fällen sehr positiv. Weil wir es genau wissen wollten, haben wir auch ein Online-Feedback entwickelt. Unsere früheren Bewertungsbögen konnten wir ja nicht verteilen. Bei der Auswertung haben uns unsere zwei E-Learning versierten Freiberufler*innen unterstützt. Auffallend im Ergebnis war der besonders hohe Zuspruch für die Trainer*innen. Deren wertschätzende Art sowie ihre fachliche, technische und methodische Expertise wurden vielfach gelobt. Gewünscht hätten sich einige Teilnehmenden mehr Vorbereitungszeit und mehr Material, da kamen viele Infos aufgrund der Ad-Hoc-Umstellung sehr kurzfristig. Beim Aufbau der Online-Seminare müssen wir in Zukunft auf kompakte Lerneinheiten achten und regelmäßiger kurze Pausen machen.

Gibt es Erfahrungen, die AGIAMONDO beibehalten möchte, auch wenn Präsenz-Veranstaltungen wieder möglich sind? 

Kerstin Kude: Wir alle im Team waren beeindruckt, wie viel Wissensvermittlung, Reflexion, Austausch, ja auch Bewegung online inspirierend umsetzbar ist. Das hätte keine*r erwartet. Gerade weil es so gut funktioniert hat, und das E-Learning auch eine wunderbare Chance ist, Menschen unabhängig von ihrem Standort zusammenzubringen, möchten wir bewahren, was entwickelt wurde. Davon könnten auch unsere Partner profitieren. In der Zukunft möchten wir gerne alternativ Präsenz- und Online-Seminare anbieten, damit wir uns wieder in bewährter Weise vor Ort treffen können, aber auch Fachkräften und anderen die Teilnahme ermöglichen, die noch nicht anreisen dürfen oder können.

Zum Seminarprogramm

Text: Eva Maria Helm

28.08.2020