Mit digitalen Medien noch näher dran

AGIAMONDO-Fachkraft Mahoudagba Christophe Adjassoho ist Kommunikationsexperte

In der Republik Kongo unterstützt AGIAMONDO-Fachkraft Mahoudagba Christophe Adjassoho die Commission Justice et Paix in Pointe-Noire als Kommunikationsexperte bei der Menschenrechtsarbeit. Durch die Nutzung sozialer Medien gelingt es zunehmend, der Bevölkerung eine Stimme zu geben.

Der Zugang zu Informationen ist entscheidend, um gemeinsam etwas zu bewegen. Diese Überzeugung habe ich stets vertreten – sowohl als Deutschlehrer und Radiojournalist in meiner Heimat Benin als auch später in Österreich, wo ich am afro-asiatischen Institut für Kommunikation gearbeitet habe. Seit 2018 unterstütze ich die Commission Justice et Paix (Kommission für Gerechtigkeit und Frieden) in Pointe-Noire als Experte für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Meine Mitarbeit wird von MISEREOR finanziert. Wir setzen uns für Menschen ein, die von Gewalt, Enteignung oder Korruption betroffen sind, indem wir Unrecht dokumentieren und die Verantwortlichen zur Rede stellen. Wenn sich nichts bewegt, geben wir unsere Informationen an die Medien weiter oder publizieren selbst

Zwar hat die Corona-Pandemie die Digitalisierung unserer Arbeit intensiviert. Genutzt haben wir digitale Kommunikationsmöglichkeiten aber schon vorher. Sie erleichtern uns den Austausch im Team und den Kontakt zur Bevölkerung. In vielen Pfarrgemeinden haben wir Komitees gegründet, die per Messenger mit uns verbunden sind. Über diese Kanäle ermutigen wir die Menschen, Vorfälle selbst aufzuzeichnen und an uns weiterzuleiten, damit wir handeln können. So wird die Bevölkerung involviert und kann ihrer Stimme einfacher Gehör verschaffen. Wir wiederum erhalten mehr Informationen, ohne selbst überall vor Ort zu sein.

In der Republik Kongo geschehen täglich Menschenrechtsverletzungen, die nicht geahndet werden. In vielen Fällen sind es Sicherheitskräfte, die sie verüben und aufgrund von Seilschaften sowie einem ineffizienten Justizsystem meist straflos bleiben. In der Hafenstadt Pointe-Noire, dem wirtschaftlichen Zentrum des Landes, verschärfen zudem der international betriebene Abbau und Handel mit Holz, Erdöl und anderen Gütern das Ringen um Einfluss und Macht auf der einen und die Ausbeutung und Armut der Bevölkerung auf der anderen Seite. Ein Teufelskreis aus Gewalt und Unterdrückung entsteht, der nur schwer zu durchbrechen ist.

Digitale Medien hat Christophe Adjassoho schon lange vor der Coronapandemie genutzt.
Christophe Adjassoho führt ein Videointerview durch.
Essen am Grillstand eines Bekannten auf dem Markt.
In Pointe Noire, dem wirtschaftlichen Zentrum des Landes, liegen Armut und Reichtum durch Ressourcenausbeutung nahe beieinander.
Workshop zur Nutzung neuer Technologien wie Twitter oder Facebook.

Wer hierzulande Unrecht anzeigt, muss häufig Repressalien fürchten. Damit das nicht passiert, stehen der Kommission und unseren Mandant*
innen ehrenamtliche Anwält*innen zur Seite. Gleichzeitig publizieren wir Vorfälle via YouTube, Facebook oder Twitter, um Öffentlichkeit herzustellen und Druck zu erzeugen. Dazu dokumentiere ich die Geschichten der Menschen mit meiner Kamera und bearbeite das Material für die Veröffentlichung im Netz. Auf Seminaren und Workshops vermittle ich anderen, wie sie neue Technologien für ihre Information und Kommunikation nutzen können.

Seit ich in Pointe-Noire lebe, habe ich viel gelernt, aber auch einiges entbehren müssen. Aufgrund der Risiken rund um die Corona-Pandemie ist meine Familie nach Deutschland zurückgekehrt. Ich bin weiterhin hier, das ist schon eine Herausforderung für einen Ehemann und Vater. Trotzdem habe ich das Gefühl, am richtigen Ort zu sein. Unsere Arbeit hilft vielen Menschen, die ohne die Unterstützung der Kommission keine Aussicht auf Gerechtigkeit hätten.

In meiner Freizeit gehe ich gerne auf den Markt. Dort kann man alles bekommen, was man so braucht: Lebensmittel, Haushaltswaren, Kleidung, ja sogar Möbel. Freitags nach der Arbeit kaufe ich am Grillstand meines Bekannten öfter ein Stück gegrilltes Lammfleisch und treffe mich anschließend mit Freunden auf ein gemeinsames Getränk. Für mich ist das eine schöne Art, ins Wochenende zu starten.

 

Text: Mahoudagba Christophe Adjassoho

02.12.2020