Expertise aus dem Süden für den Süden: Die kolumbianische Organisation PODION realisiert gemeinsam mit AGIAMONDO eine Süd-Süd-Kooperation zwischen Kolumbien und Haiti

Kakao-Expertin Nini Johana Cárdenas aus Kolumbien mit Teilnehmern des Landwirtschaft Workshops in Haiti.

Die Kolumbianerin Nini Johana Cárdenas ist eine der ersten Fachkräfte, die im Rahmen des Weltdienst-Programms an einer Süd-Süd-Vermittlung teilgenommen haben. Organisiert von der kolumbianischen Organisation PODION und AGIAMONDO unterstützte die Landwirtin und Kakao-Expertin drei Wochen lang ein Bildungsprojekt im Nachbarland Haiti. Dort schulte sie Menschen bei der Bewältigung von Herausforderungen, die sie selbst gut kennt.

Welche Nutzpflanzen gedeihen im tropischen Klima am besten? Was muss ich bei deren Anbau beachten? Wie lassen sich Erzeugnisse lohnend vermarkten? Nini Johana Cárdenas weiß das genau. Die Landwirtin und Expertin für den Kakaoanbau hat sich in ihrer Heimat Kolumbien viele Jahre mit der Verbesserung von Anbaumethoden beschäftigt. Sie hat mit anderen Landwirtinnen in einer Kooperative zusammengearbeitet und gelernt, wie man sich als kleinbäuerlicher Betrieb auf dem globalen Markt durchsetzt.

In dem nahe gelegenen Inselstaat Haiti lebt die Mehrheit der Bevölkerung ebenfalls von der Landwirtschaft, die meisten jedoch unterhalb der Armutsgrenze. Genau deshalb hatte sich die kolumbianische Nichtregierungsorganisation PODION gemeinsam mit AGIAMONDO dafür eingesetzt, Nini Johana Cárdenas als Fachkraft nach Haiti zu vermitteln. Mit ihrem Wissen und ihrer persönlichen Erfahrung konnte die Landwirtin aus Kolumbien den Menschen vor Ort wertvolle Hinweise geben, wie sie Erträge steigern und ihre Lebenssituation verbessern können.

Entwicklung durch Erfahrungsaustausch

Vor Ort unterstützt wurde die Zusammenarbeit von der lokalen Partnerorganisation Haiti Projet Education (HPE). Seit 2004 bietet die Initiative unter Leitung von AGIAMONDO-Fachkraft Claudette Coulanges im südlichen Teil Haitis Bildungsprogramme für Frauen und Jugendliche an, fördert deren Existenzsicherung sowie den Aufbau von Selbsthilfestrukturen.

Während Nini Johana Cárdenas‘ Einsatz nahmen zehn Jugendliche im Alter zwischen 15 und 22 Jahren an einem Weiterbildungsprogramm zum Thema Integrale Ökologie und Bien Vivir (Gutes Leben) in Haiti teil. Dieses wurde von der Landwirtin fachlich begleitet. So begutachtete die Expertin gemeinsam mit den Jugendlichen die Ernte in einem zuvor angelegten Gemüsegarten und besprach, wie sich die Güte der Erzeugnisse beeinflussen lässt und welche Rolle zum Beispiel Saatgut oder Wetterverhältnisse dafür spielen. Darüber hinaus beriet sie die Betreiber*innen einer Finca beim Anbau und der Vermarktung von Kakao und klärte darüber auf, wie sie sich gegenüber Großunternehmen behaupten können.

Kakao-Expertin Nini Johana Cárdenas aus Kolumbien mit Teilnehmern des Landwirtschaft Workshops in Haiti.
Beratung zum Gemüseanbau im Bildungsprogramm von Haiti Projet Education (HPE).
Die Jugendlichen lernen in dem Workshop auch integrale Ökologie und Bien vivier in Haiti kennen.
Nini Johana Cárdenas tauscht sich mit Mitarbeiter*innen der Finca AYITIKA über die Weiterentwicklung aus.

Weltdienst – von der Theorie zur Praxis

„Fachkräfte, die spezifische Erfahrungen aus dem globalen Süden mitbringen, können in anderen Ländern wertvolle Dienste leisten“, sagt Johannes Holz, der bei AGIAMONDO Partnerorganisationen zum Weltdienst-Programm berät. Das Programm fördert Süd-Süd- und Süd-Nord-Vermittlungen für Entwicklungshelfer*innen, aber auch angepasste Formate wie den Kurzeinsatz, der Süd-Fachkräfte zur zeitlich begrenzten Mitarbeit mit Partnern im Norden oder Süden zusammenbringt. Insgesamt sollen die Perspektive und Expertise des Südens weltweit stärker vertreten sein und dazu beitragen, Entwicklung im Sinne einer partnerschaftlichen, globalen Zusammenarbeit für alle sozial, gerecht und nachhaltig zu gestalten.

Bereits im Sommer 2019 hatten PODION und AGIAMONDO auf einem Netzwerktreffen in Kolumbien mit zahlreichen Partnern Anforderungen und Eckpunkte des Programms erarbeitet. „PODION übernahm daraufhin die koordinierende Aufgabe für Süd-Nord- und Süd-Süd-Personalvermittlungen von internationalen Fachkräften in Lateinamerika“, so Holz. Nini Johana Cárdenas‘ Einsatz wurde als erstes Modellprojekt von der kolumbianischen Organisation vorbereitet, vermittelt und begleitet.

Mehr als Bildung

Mittlerweile hat die Landwirtin aus Kolumbien ihren Kurzeinsatz von drei Wochen bei HPE in Haiti beendet und zahlreiche Projekte begleitet. Auch der Grundstein für einen möglichen längerfristigen Austausch wurde gelegt. Dass die Kooperation wertvoll war, zeigte sich vor allem in der sehr positiven Resonanz der Jugendlichen, die an ihren Workshops teilgenommen haben, und nun ein gemeinsames Lern- und Austauschprogramm anstreben. Denn für sie bedeutet der Erfahrungsaustausch mehr als Bildung und Beschäftigung. Er bedeutet eine echte Perspektive für die Zukunft.

Haiti Project Education (HPE) ist eine gemeinnützige Nichtregierungsorganisation, die sich seit 2004 für verbesserte Lebensbedingungen und regionale Entwicklung im Süden Haitis einsetzt. Der karibische Inselstaat auf Hispaniola zählt zu einem der wirtschaftlich schwächsten und politisch instabilsten Länder weltweit. Mehr als die Hälfte der rund 10 Millionen Einwohner*innen lebt unterhalb der Armutsgrenze.

Um die Entwicklung in der Region voranzubringen und den Menschen eine Perspektive zu geben, unterstützt HPE verschiedene
Initiativen und fördert deren Ideen und Potenziale, sodass sie diese weiterentwickeln und für andere mobilisieren können. Im Fokus stehen insbesondere Jugendliche, die neben Aus- und Weiterbildung auch Unterstützung durch Schulgeld, Uniformen, Schulbücher, Lernförderung oder Musikunterricht erhalten.

Text: Johannes Holz, Eva Maria Helm; Fotos: Claudette Coulanges/HPE