Arbeitstherapie in Kenia

Fachkraft Thomas Paule und Familie

Fachkraft Thomas Paule und Familie

Die letzten acht Jahre arbeitete der gelernte Ergotherapeut Thomas Paule in einer Psychiatrie mit ‎Drogen- und Alkoholsüchtigen. Nun sucht er eine neue Herausforderung in Kenia. In Nyahururu ‎baut er u.a. eine Schreinerei und Gärtnerei auf. Mit dabei: seine Frau und seine Enkelin.‎

 

„Rausgehen und die Welt entdecken“

Den letzten Impuls einen neuen Lebensabschnitt in Kenia zu starten, gab die Enkelin, die bei Thomas Paule und seiner Frau Linda lebt. Jamaica Paule war begeistert von der Idee. Nun engagiert sich der gelernte Ergotherapeut und Gärtner Thomas Paule die nächsten Jahre bei L'Arche Kenya Trust, einer Einrichtung für Menschen mit körperlichen und/oder geistigen Behinderungen, in Nyahururu. Seine Mitarbeit wird von Comundo finanziert. AGIAMONDO interviewte ihn während seiner Vorbereitung in Köln.

Wie sah Ihr bisheriges Arbeitsfeld aus und wie ist es bei L'Arche Kenya Trust angelegt?

Thomas Paule: Die letzten acht Jahre habe ich als Arbeits- und Ergotherapeut in einer geschlossenen Psychiatrie in Nordrhein-Westfalen mit Drogen- und Alkoholsüchtigen gearbeitet. Davor lebten wir drei Jahre in Österreich, wo ich für die Lebenshilfe ein Arbeits- und Ausbildungsprojekt für Menschen mit Behinderung und schwer integrierbare Jugendliche mitaufgebaut habe.  Seit acht Jahren unterhält L'Arche Kenya Trust zwei Häuser und Werkstätten, in denen 31 Menschen wohnen und arbeiten. Geplant ist, dass ich die Arbeitstherapie in den Werkstätten, einer Schreinerei, Bäckerei, Gärtnerei und Kerzenwerkstatt, ausbaue und die Kolleg*innen weiterbilde. Vorher werden wir gemeinsam analysieren, wo die Fähigkeiten und Schwächen die Bewohner*innen der Häuser liegen und mit ihnen danach ihre Wünsche für ihre berufliche Zukunft besprechen.

 

„Jamaica freut sich auf die internationale Schule und auf neue Freunde.“

Was hat Sie und Ihre Familie motiviert, sich für die Stelle in Kenia zu entscheiden?

Thomas Paule: Wir spielten schon länger mit dem Gedanken als AGIAMONDO-Fachkräfte ins Ausland zu gehen. Meine Frau ist Pflege- und Verwaltungsfachkraft und würde gerne weiter im sozialen Bereich arbeiten. Ausschlaggebend für die Entscheidung von Deutschland nach Kenia zu ziehen, war letztlich unsere Enkelin, die bei uns lebt. Als mir die Stelle in Kenia angeboten wurde und wir sie dazu befragten, sagte sie begeistert: „Ja, ich möchte ‚Rausgehen und die Welt entdecken‘.“ Jamaica freut sich auf die internationale Schule und auf neue Freunde. Andere Länder und Menschen haben meine Frau und mich immer interessiert. Früher sind wir mit unseren drei Kindern als Rucksacktouristen nach Bali oder Thailand aufs Land gereist, um in den direkten Kontakt mit den Menschen zu kommen.

Welches AGIAMONDO-Seminar hat Sie während Ihrer Vorbereitungszeit am stärksten angesprochen?

Thomas Paule: Linda und mir hat das Seminar „Bewusst wie – Kulturbewusste Kommunikation“ am besten gefallen. Die beiden Trainer waren sehr professionell und arbeiteten mit Methoden, die sehr konfrontativ und psychisch sehr fordernd waren. Das hatte einen interessanten Lerneffekt bei den Rollenspielen zur Folge. Meine Frau und ich halten uns für sehr offen und liberal. Doch beim Thema: „Wie sieht es bei mir mit Alltagsrassismus aus“, wurden wir bei den Rollenspielen im Kurs überrascht, dass dies nicht immer zutrifft.