Friedensarbeit weltweit

Ob im Sudan, im Ostkongo, Timor Leste oder Kolumbien: Bürgerkriegsähnliche Konflikte schwelen in vielen Krisengebieten dieser Welt und hinterlassen zutiefst traumatisierte Gesellschaften und fragile Staaten – meist weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit. In anderen Ländern spitzen sich Konflikte z.B. um Ressourcen zu, so dass ein Ausbruch von Gewalt und Krieg droht.

 

Ökonomisch, religiös oder politisch motivierte Gruppen versuchen, ihre Interessen mit Gewalt durchzusetzen. Die Leidtragenden sind die Menschen, die ohnehin schon starker Armut ausgesetzt sind. Sie geraten zwischen die Fronten oder werden als kämpfende Mitstreiter instrumentalisiert. Der Zivile Friedensdienst (ZFD) setzt sich mit der Vermittlung von speziell ausgebildeten ZFD-Fachkräften in Krisenregionen vor allem präventiv für die gewaltfreie und konstruktive Bearbeitung von Konflikten ein. Die Fachkräfte unterstützen Partnerorganisationen vor Ort, die sich für Gewaltminderung und die Bewältigung von gewaltvoller Vergangenheit einsetzen.

 

Getragen wird das ZFD-Programm vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und acht Organisationen der Friedens- und Entwicklungsarbeit, darunter die AGEH. Ca. 20 Prozent aller AGEH-Fachkräfte arbeiten im Personalprogramm Ziviler Friedensdienst.

 

Die Aufgaben von Fachkräften im Zivilen Friedensdienst

Fachkräfte des Zivilen Friedensdienstes unterstützen einheimische Partnerorganisationen in allen Phasen von Konflikten: in der Konfliktprävention, der Gewaltminderung und der Konfliktnachsorge. Ihre zentralen Aufgaben liegen zum Beispiel darin

  • Methoden und Konzepte der zivilen Konfliktbearbeitung zu vermitteln,
  • lokale Fachkräfte zu schulen,
  • Feindbilder abzubauen, unter anderem durch die Entwicklung entsprechender Lehrpläne für Schulen,
  • die örtliche Rechtssicherheit zu stärken,
  • Opfer psychosozial zu betreuen und auf ein friedliches Leben in der Gesellschaft vorzubereiten,
  • ehemalige Kämpferinnen und Kämpfer zu resozialisieren,
  • Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen und den Dialog anzuregen,
  • benachteiligte Gruppen zu stärken, ihre Anliegen einzubringen,
  • Radioprogramme aufzubauen, die zum Beispiel in ländlichen Regionen Menschen eine Stimme geben sowie Dialog und Demokratie fördern,
  • Journalistinnen und Journalisten zu schulen, damit diese in ihren Beiträgen Spannungen ab- und nicht aufbauen,
  • für die Menschenrechte einzutreten.

 

Partnerorganisationen wie Fachkräfte sind sich darüber bewusst, dass ein dauerhafter Frieden nur von innen wachsen kann. Allein die Menschen vor Ort können den Friedensprozess gestalten und sichern. Aus diesem Grund ist der Schwerpunkt der Friedensarbeit partnerorientiert und liegt in der Unterstützung lokaler Initiativen, die sich für Ausgleich und Versöhnung einsetzen. Die Fachkraft bringt dabei Qualifikationen, Kenntnisse und Ressourcen ein, die vor Ort nicht oder nicht im gleichen Maße vorhanden sind. Sie nutzt ihren Status als externe Person (Glaubwürdigkeit, Legitimität, Unbefangenheit, Schutz) und sie bringt ihre Persönlichkeit (Arbeitsstil, Kreativität, Solidarität) in die interkulturelle Zusammenarbeit mit der lokalen Partnerorganisation ein.

 

Sie möchten für den Zivilen Friedensdienst arbeiten?

Für die Mitarbeit als Fachkraft im Rahmen des ZFD sollten Sie Folgendes mitbringen:

  • Kompetenzen in den Bereichen Erwachsenenbildung, Organisations- und Individualberatung sowie Management
  • Kenntnisse über den Aufbau von Netzwerken
  • Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit
  • Fähigkeiten im Bereich Planung, Monitoring und Evaluierung (PME)‎

Im Rahmen des ZFD geht es auch darum, christliche Werte durch solidarisches Handeln glaubhaft zu vertreten. Als Fachkraft sollten Sie aus diesem Grund einer christlichen Kirche angehören. Uns sind Protestantinnen und Protestanten, orthodoxe Christinnen und Christen sowie Altkatholikinnen und Altkatholiken ebenso willkommen wie Angehörige der römisch-katholischen Kirche.

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